Valentins-Spezial: Achtsamkeit in der Beziehung

Warum Bewusstsein das schönste Geschenk ist, das wir machen können

Der buddhistische Mönch und Zen-Master, Thich Nhat Hanh, soll einmal gesagt haben: 

„Wenn du jemanden liebst, dann ist das schönste Geschenk, das du demjenigen machen kannst, deine Präsenz. Wie kannst du lieben, wenn du nicht da bist?“

In diesem Zitat steckt so viel Schönes, denn Thich Nhat Hanh trifft hier einen wichtigen Punkt, mit dem wir uns täglich konfrontiert fühlen und den sich insgeheim jeder von uns wünscht: Sich von seinem Partner gesehen und gehört zu fühlen. 

Wie oft siehst du Paare, die im Restaurant nebeneinander sitzen und am Smartphone hängen statt sich leidenschaftlich zu unterhalten, zu knutschen oder anzuschauen? Alles besser, als wegzulaufen vor dem Moment, sich mit dem anderen auseinanderzusetzen zu müssen.

Dieses Thema kommt nicht von irgendwoher. Valentinstag steht vor der Tür und wieder einmal verführt die Werbeindustrie dazu, seinem Partner Geschenke zu besorgen, um zu zeigen „Du bist mir wichtig“. Studien zufolge kauft jeder zweite ein Geschenk an Valentinstag: Parfüms, Schokolade und Schmuck sind ganz vorn im Rennen. Ja, und dann? Dann haben wir uns freigekauft von unserer Schuld, dem anderen keine wahre, von Herzen kommende, Aufmerksamkeit zu schenken und können wieder getrost die Lieblingsserie bei Netflix streamen.

 

 

 

 

Ehrliches Interesse statt Material World

Eines wollen wir an dieser Stelle klarstellen: Wir möchten hier nicht den Smartphones, TVs und aller Technik den schwarzen Peter zuschieben à la „Früher war alles besser“. Sicherlich hat es auch schon vor 100 Jahren Paare gegeben, die sich wenig miteinander beschäftigt und kleine Geschenke dazu genutzt haben, um das Gleichgewicht in der Beziehung wiederherzustellen.

Seien wir ehrlich, die Smartphones sind ja gar nicht wirklich schuld. Schließlich sind wir diejenigen, die zu ihnen greifen, wenn wir eigentlich mit unserem Partner das Candle-Light-Dinner im Restaurant genießen und diesen mit Fragen löchern sollten.

Die Life-Coaches dieser Welt sind sich einig: Ehrliches Interesse erhält die Beziehung. Aus Erfahrung wissen wir alle, dass das leichter gesagt als getan ist. Das ist auch, weshalb wir diesen Artikel schreiben.

Manchmal ist man so sehr in seiner täglichen Blase gefangen, dass man vergisst, dass es da noch diesen anderen Menschen in der Beziehung gibt, der seine eigene Geschichte, Bedürfnisse und Gedanken hat. Wie spannend wäre es, mehr darüber zu erfahren?

Hier werden keine Ausreden zugelassen, weil man ja schon seit 10, 20 oder 100 Jahren verheiratet ist. Keine Beziehung dauerte jemals so lange, dass man alles über seinen Partner wusste. Denn jeder Mensch verändert sich täglich. Aufgrund seiner Erfahrungen, Gedanken und Handlungen.

Jeder Tag bringt also neue Themen, über die man sich austauschen kann. Und wir meinen damit: ehrlich auszutauschen. Kein „Na Schatz, wie war dein Tag?“, anschließend zu „Hmm“ mit dem Kopf nicken und dabei die Gedanken schon beim morgigen Meeting zu haben. Sondern wirklich zuzuhören und nachzufragen, um noch tiefer zu gehen. Jeden Tag einen Schritt mehr. Wetten, dass auch dir das Spaß machen wird?  

 

Wähle immer Quality-Time vor Quantity-Time

Viele Beziehungen scheitern, weil man sich einfach nichts mehr zu sagen oder den anderen schlicht „satt“ hat. Kein unbekanntes Phänomen. Gepaart mit der schier unendlichen Auswahl an potentiellen Partnern, kann das eine sehr toxische Kombination sein und das Ende einer jeden Beziehung prophezeien.    

Da war man so lange auf der Suche nach diesem einen Menschen, der einen komplettiert und das Leben irgendwie aufregender macht. Hat man diesen nun gefunden, genießt man wie irre die ersten Monate, knutscht in der Bahn, hat leidenschaftlichen Sex, zieht zusammen ein und ja...dann irgendwann wird’s halt langweilig.

Muss das so kommen? Wir sind uns sicher: Nein! Dafür muss man allerdings ein paar Regeln beachten. Diese basieren auf der Annahme, dass alles, was man zu oft wiederholt, irgendwann einmal zur Routine und langweilig werden kann. Alltag eben. Ganz vermeiden kann man den natürlich nicht, aber man kann zwischendrin ein paar Abwechslungen einbauen und(!) sich vor allem Mühe geben.

Wenn du dir das bewusst machst, dann ist das bereits die halbe Miete. Denn es liegt einzig und allein in deiner Hand, Routinen anzunehmen oder aufzubrechen.

Statt also mit deinem Partner jeden Abend vorm TV zu verbringen, kann man sich zu Dates verabreden (beispielsweise 1x pro Woche), an denen man etwas besonderes unternimmt und sich dafür an den anderen Tagen entweder um sich selbst kümmert, etwas mit Freunden unternimmt oder die gemeinsame Zeit bewusst verbringt. Man könnte zum Beispiel etwas kochen, was man bisher noch nie probiert hat, ein neues Indie-Kino besuchen, Minigolf-Spielen oder einander aus seinen Lieblingsbüchern vorlesen. Eine Woche sucht dein Partner aus, dann bist du wieder an der Reihe. Kreativität nicht nur erlaubt, sondern auch erwünscht!

Und jetzt kommt das aller wichtigste: Dabei vollkommen präsent zu sein. Zuzuhören. Nachzufragen. Zu diskutieren. Den Partner mit anderen Augen anzusehen. Vielleicht bemerkst du dann auch den neuen Pullover oder das liebevoll angerichtete Frühstück am Sonntagmorgen.  

Die Kunst des achtsamen Berührens

Diese Perspektive kann man auch auf Berührungen übertragen. Gerade in langjährigen Beziehungen können Berührungen abnehmen oder zur Routine werden. Auch hier gilt es alte Muster aufzubrechen und die Präsenz in die Situation zurückzuholen.

Statt also seinem Partner im Autopilot-Modus beim Gehen in der Tür noch einen Abschiedskuss auf die Lippen zu drücken, kann man auch stehenbleiben, sich den anderen bewusst ansehen, an eine Sache denken, die einem ganz besonders an diesem Menschen gefällt (am besten das auch teilen :)) und den Kuss dann so richtig zu genießen. Das dauert dann so ca. 15 Sekunden länger und kann unglaubliche Auswirkungen auf deine Beziehung haben.

Oder wie wäre es, wenn du deinen Mann oder deine Frau verführen würdest? Mit einer schönen Massage, einer angenehmen Playlist und einem gutriechenden ätherischen Öl. Wer das toppen möchte, kann noch Kerzen aufstellen, dann ist ein sinnlicher und liebevoller Abend vorprogrammiert. Das wäre doch mal eine gelungene Valentinstag Idee, oder?

Eine nachhaltige Wirkung entfaltet das achtsame Berühren aber erst dann, wenn man immer wieder daran denkt. Der Alltag bietet dafür viele schöne Momente. Zum Beispiel beim Kochen einfach mal die Hände deines Partners in deine zu nehmen und ihm zu sagen, wie schön du sie findest. Oder deinen Partner einmal bewusst zu riechen und dir bewusst zu werden, was dieser Duft in dir auslöst.

Mit Bewusstsein auch durch schwierige Zeiten

In „The Power of Now“ beschreibt Eckhart Tolle etwas ganz Wunderbares über Beziehungen: Wann immer eine Beziehung nicht zu funktionieren scheint und wir richtig wütend über unseren Partner sind, heißt das Zauberwort einmal wieder „Bewusstsein“. Denn, wenn du dir darüber bewusst bist, dass du gerade stinksauer oder traurig bist, dann ist es erstens weniger wild und zweitens bringst du etwas ans Licht, was vorher vielleicht unbewusst in dir geschlummert hat.

So wird deine Beziehung zur spirituellen Praxis, sagt Tolle, und es wird dir langfristig möglich sein, Konflikte bewusst zu meistern und nicht in unbewusste Reaktionen zu verfallen, die meist nur in einen noch größeren Konflikt provozieren. 

Rituale für den Beziehungsalltag

Abschließend haben wir uns noch fünf schöne Ideen ausgedacht, wie du deinem Partner zukünftig mehr deiner bewussten Aufmerksamkeit schenken und deine Beziehung damit auf ein neues Level heben kannst.

  1. Stell den Wecker am Morgen 15 Minuten eher und nutze die Zeit dafür, bewusst mit deinem Partner zu kuscheln und den Tag voller Dankbarkeit zu beginnen.
  2. Falls du abends vor deinem Partner zuhause bist, dann versuche dich mit einem kleinen Snack über Wasser zu halten und auf sie oder ihn zu warten, damit ihr ein schönes gemeinsames Dinner genießen könnt.
  3. Wenn dein Partner sich über einen stressigen Tag beschwert, biete ihm oder ihr eine entspannende Ganzkörpermassage an – auch, wenn du ebenfalls müde bist.
  4. Spiele mit deinem Partner „Sondermoment und finde heraus, welche Dinge du bisher noch nicht über sie oder ihn wusstest.
  5. Denke in Alltagsmomenten darüber nach, was deinem Partner wohl gefallen würde statt nur nach deinem Geschmack zu gehen (Abendessen, Filmauswahl, Wochenendplanung).

Wir sind uns sicher, dass Beziehungen nicht dafür da sind, um uns glücklich zu machen. Das ist allein die Aufgabe eines jeden selbst. Allerdings sind unsere Partner unsere größten Lehrer und helfen uns dabei, über uns selbst hinauszuwachsen und uns besser kennenzulernen.

Tiefgründige Fragen und ein bewusstes Interesse werden dir dabei helfen, deine Beziehung intensiver zu gestalten und dich neu in deinen Partner zu verlieben. Diese Erkenntnis ist unser Valentinstag Geschenk an dich :)

 

Alles Liebe, Susanne und Khanh



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