Die Sondermoment Entstehungsgeschichte: Wie uns eine außergewöhnliche Begegnung zu Sondermoment führte

 “Jetzt weiß ich, wer du bist. Ich danke dir dafür.” 

Jetzt weiß ich, wer du bist. Wer könnte so etwas sagen? Vielleicht jemand, mit dem man eine kritische Lebensphase geteilt hat. Oder eine intensive Zeit verbracht. Aber die bezaubernde ältere Dame, die Khanh an einem warmen Sommerabend mit diesen Worten verabschiedet hat, kannte er erst seit drei Uhr am Nachmittag. Vor zwei Stunden hatte sie ihm erst das “Du” angeboten.

Und doch war in dieser kurzen Zeit eine ganz außergewöhnliche Atmosphäre entstanden. Tiefer Kontakt und echte Nähe. Wie war das möglich? Diese Frage beschäftigte uns noch tagelang. Sie war es, die uns schließlich zu Sondermoment führte.

Wo bleibt der Deep-Talk neben dem ganzen Small-Talk?

Berlin, im Frühjahr 2017: Aus Frankfurt zog es uns in die 600 Kilometer entfernte Hauptstadt. Berlin! International, hip, pulsierend, direkt, dynamisch, schnell. Eine neue Wohnung, ein neuer Lieblingsitaliener, zwei neue Jobs – viele neue Freunde. Eine schier grenzenlose Fülle an spannenden Menschen.

Doch eines fällt auf, sobald es still wird zwischen all den coolen Partys, den ewig langen Brunch-Exzessen und den immer wiederkehrenden Gesprächen über die absurden Zustände auf dem Wohnungsmarkt: Tiefgehende Konversationen sind selten. Gespräche über Gefühle, Ziele, Träume eher die Ausnahme als die Norm. Themen, die einen so in ihren Bann ziehen, dass der Barista den Caffè Latte dreimal ausrufen muss – Fehlanzeige.

Das, was interessiert, bewegt sich maximal zwischen dem letzten und dem nächsten Wochenende. Gefühlt sind nur der letzte Schrei und die neuesten News es würdig besprochen zu werden.

Dieses Phänomen findet sich natürlich keineswegs nur in Berlin. Es ist ein Symptom unserer Zeit, das auch an anderen Orten spürbar ist. Mal mehr, mal weniger – in Berlin eben eher mehr. Sollte ein Gespräch ausnahmsweise etwas Tiefgang aufnehmen, läuft es immer Gefahr von der nächsten Smartphone Notification beendet werden zu können. Wenn ein Gespräch so flach ist, dass es von einer Benachrichtigung auf dem Smartphone unterbrochen werden kann, ist es denn überhaupt wert geführt zu werden?    

Es geht auch anders – und besser: Gespräche vertiefen

Es gibt Ausnahmen: Ab und zu treffen wir auf echte Lichtgestalten. Menschen, mit denen man schon nach wenigen Augenblicken mitten in einer spannenden Diskussion steckt. Deren aufrichtiges Interesse zu einem angenehmen Grad von Intimität führt. Die verstanden haben, dass es wichtiger ist, wie man aufgewachsen ist und nicht wo. Die wissen wollen, warum man einen Job macht und nicht, welche Position man dort hat.

Leute, bei denen man das Gefühl hat, dass sie wirklich an der Person interessiert sind, mit der sie da gerade sprechen. Sollte das nicht immer so sein? Sollten wir nicht jede Begegnung mit bekannten oder unbekannten Menschen so behandeln, als hätte sie das Potenzial, unsere Welt oder zumindest diesen einen Tag fundamental zu ändern?

An einem Sommertag letzten Jahres, trafen wir eine weitere dieser Lichtgestalten. Die über 90-jährige Dame, die Khanh das erste Mal kennenlernte, ist die Großmutter von Susanne. Abgesehen davon, dass sie die Flagge von Khanhs Heimatland im Vorgarten hissen lassen und mit ihrem Tablet unser Ankommen aufgenommen hat, war das Kennenlernen noch von einer anderen unerwarteten Einzigartigkeit geprägt. Kurz nach dem Austausch der allgemeinen Höflichkeiten über die Anreise, unser Wohlbefinden und dem obligatorischen Rundgang fragte sie uns:

“Meine Lieben, mit eurer Erlaubnis würde ich euch gerne heute Abend jeweils fünf Fragen stellen. Ich bitte euch, diese ehrlich zu beantworten und mir im Gegenzug auch fünf Fragen zu stellen.”

Natürlich bejahten wir die Bitte. Man sagt schließlich nicht Nein zu Oma.

Ein paar Fragen führen zu tiefen Gesprächen

Anders als man es von einer geplanten Fragerunde erwartet hätte, war dieses Gespräch so emotional und intellektuell anregend, wie wir es uns eigentlich mit und für jede Person auf dieser Welt wünschen. Wir erfuhren durch ein paar einfache Fragen so viel über ihr Leben, ihre guten und schlechten Zeiten, ihre Sorgen und Wünsche. Sie schwelgte in Erinnerungen über die 50er- und 60er-Jahre, erzählte uns, wie sie ihre erste große Liebe kennenlernte und wie man zu der Zeit miteinander ausging.

Sie fragte uns, wie sich junge Menschen heutzutage kennenlernen und miteinander ausgehen. Welche Rolle Sex beim Kennenlernen spielt und wie lange man sich bis dahin Zeit lässt. Wie wir über Hochzeit, Kinder und Familie denken. Wir beantworteten Fragen darüber, wie wir und unsere Generation über Karriere und Zukunft nachdenken. Sie stellte uns einige Fragen, bei denen wir einige Minuten in uns gehen mussten, bevor wir Antwort geben konnten.

Es hinterlässt ein beinahe beschämendes Gefühl, wenn jemand etwas eigentlich Elementares von dir wissen will, und du merkst, dass du selbst dir diese Frage noch nie gestellt hast. Ein Gefühl, das unmittelbar für Unbehagen sorgt, aber im Ergebnis dein eigenes Selbstbewusstsein (= das Bewusstsein deiner selbst) und die Beziehung zu der anderen Person stärkt. Eine Erfahrung, die wir an diesem Abend mit solcher Intensität gespürt haben, dass sie uns tagelang nicht aus dem Kopf ging. Wir versprachen uns selbst, nie wieder langweilige, oberflächliche Gespräche führen zu wollen und jeder Person, auf die wir treffen, mit Neugier, Achtsamkeit und einer positiven Grundhaltung zu begegnen. Dies war die Geburtsstunde von Sondermoment.

Die vier Faktoren für gute Unterhaltungen und Beziehungen

Daheim angekommen fragten wir uns, warum heutzutage immer weniger tiefe Konversationen stattfinden. Wann “Small-Talk” zum Standard geworden ist? Um ein Verständnis von dem zu bekommen, was uns da beschäftigte, arbeiteten wir uns durch Bücher und Artikel über Achtsamkeit, Freundschaft, Beziehungen und Kommunikation. Wir lernten, warum Erzählungen und Geschichten die Grundlage für ein friedvolles und gesundes Zusammenleben von Menschen ist. Und wir hörten genau zu und beobachteten mit viel Aufmerksamkeit, wie unser Umfeld kommuniziert.

Ein paar Wochen vergingen, in denen wir wesentlich aufmerksamer auf unsere Interaktionen achteten und verstehen wollten, was dieser Dynamik zugrunde liegt. Folgendes beobachteten wir:

  • Das Jetzige vs. das Nächste: In einer Zeit unzähliger Möglichkeiten hat unser Hirn es sich zur Angewohnheit gemacht, die Aufmerksamkeit viel zu schnell etwas anderem widmen zu wollen. Wir gehen weniger in die Tiefe und präferieren das “Mehr”.

  • Die fehlende Zeit: Persönliche Gespräche und Freundschaften starten selten im Büroflur oder in der Bar. Wir müssen uns die Zeit dafür nehmen. Aber wer kennt nicht den beliebten Satz “Dafür habe ich keine Zeit”?

  • Die Furcht vor Zurückweisung: Wenn wir uns dafür entscheiden, eine Person kennenzulernen und in die Beziehung zu investieren, gibt es das Risiko der Zurückweisung – und das mag niemand. Viel einfacher wäre es da doch einfach, Facebook-Freundschaften zu führen, oder?

  • Viel Beziehungsarbeit: Es ist ein gewisser Aufwand, Leute zum Kaffee, Mittagessen oder Sport zu treffen und sie dann mit ernsthaft geführten Konversationen kennenzulernen. Je älter man wird, desto schwieriger wird es – insbesondere, wenn Partner*in, Kinder, mehr Verantwortung im Job dazukommen.

Uns wurde bewusst, dass dies eigentlich keine grundlegenden oder gravierenden Gründe sind. Jeder von uns will im Kern immer noch gute Beziehungen führen, viele gute Freundschaften besitzen und andere Menschen gut kennenlernen. Wir Menschen wollen von Natur aus Teil von anderen Menschen sein. 

Warum ein Spiel und warum Karten?

Da diese Probleme, die wir beobachtet haben, im Grund genommen nicht komplex sind, haben wir uns auf die Suche nach einer einfachen Möglichkeit gemacht, diese möglichst einfach zu minimieren. 

Wir haben uns für ein Fragespiel entschieden, das aus 48 Fragen besteht. Warum?

  • Gesellschaftsspiele bringen Menschen zusammen – unabhängig von Geschlecht, Gesellschaftsschicht oder Alter. Das hat sich über Jahrhunderte hinweg bestätigt.
  • Karten sind ein einfaches Medium, das quasi als “dritte Partei” der Konversation ganz simpel eine Richtung weisen kann.
  • Gute Fragen zu stellen, ist die einfachste Möglichkeit, interessante Gespräche zu starten und Menschen kennenzulernen – man kann nun mal nichts Neues lernen, wenn man immer nur sich selbst zuhört.

Wir fingen an, Fragen, die wir gut fanden, auf Karten zu schreiben. Unser Ziel war anfangs, das Ganze einfach nur für uns und unsere Freunde zu machen. Die allererste Edition von Sondermoment lag daher dann auch erst einmal nur als “nettes Bastelprojekt” auf dem Küchentisch herum.

sondermoment first prototype

Einer der ersten selbstgedruckten Editionen

Es vergingen ein paar Wochen, bis wir die Fragen mal bei einer ersten Gruppe auspackten. Die Reaktionen waren fantastisch. Enge Freunde erzählten uns Sachen, die wir nicht von ihnen wussten, neue Bekanntschaften waren viel schneller dazu bereit, sich uns zu öffnen. Geschichten kamen auf, die für viele Lacher, aber auch für ein paar Tränen sorgten. Es hat uns und unseren Freunde geholfen, viel einfacher andere zu verstehen und eine Verbindung herzustellen.

Son|der|mom|ent, der:

All diese positiven Erfahrungen weckten unser Interesse, Sondermoment auch anderen Menschen in die Hand zu geben. So entschieden wir Ende 2018 kurzum, das Spiel auf den Markt zu bringen. Neben unseren eigentlichen Jobs lernten wir an Abenden und  Wochenenden, wie man designt, entwarfen die Karten und die Sondermoment-Box, suchten nach Herstellern und Druckereien, bestellten Verpackungsmaterial und testeten verschiedene Vermarktungsmethoden. Wir testeten unterschiedliche Fragen und Spielmodi mit vielen Gruppen und verfeinerten das Prinzip. Wir entwickelten die Website, einen Marketingplan und alles, was dazugehört.

Wir bestellten unsere ersten 500 Exemplare, von denen wir hofften, dass sie irgendwie auf Interesse stoßen würden. Alle unsere Erwartungen übertreffend, waren sie bereits nach weniger als einer Woche ausverkauft.

So begann der Weg von Sondermoment. Momentan erreichen uns viele Kooperationsanfragen von Firmen, Coaches und Therapeuten, Wünsche für andere Editionen und super Ideen für neue Produkte. Was uns am meisten freut, sind die Nachrichten von Menschen, die uns von ihren persönlichen Sondermomenten erzählen. Ihr seid für uns die größte Motivation!

Wir sind unendlich dankbar für die Menschen, die uns unterstützen. Und wir arbeiten hart daran, Sondermoment zu etwas ganz Tollem zu machen. Bleibt also gespannt!

Eure Susanne & euer Khanh

 



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