Journaling: Wie schreibt man Tagebuch? Und gute Gründe, die dafür sprechen

Puh, Tagebuch schreiben: „Ist doch voll peinlich“ oder „Hält man ja eh nicht lange durch.“ Haben wir alles schon gehört und … sehen es anders! Würde uns jemand erzählen, dass er oder sie Tagebuch schreibt (oder schreiben möchte), gäbs von uns auf jeden Fall ein High-Five. Denn wir sind bekennende Tagebuch-Fans.

Warum das so ist, erzählen wir dir in diesem Artikel. Außerdem zeigen wir dir, wie du mit dem Tagebuchschreiben starten kannst – und vor allem: wie du es eben doch schaffst, langfristig am Ball zu bleiben. Also, wie Tagebuchschreiben überhaupt geht.

Tagebuch – Ist das was für mich?

Zurück zum „Das ist doch peinlich.“ Wieso eigentlich? Naja, erinnern wir uns nicht alle an pubertierende Kritzeleien? An Versuche, unsere Gefühlswelt auf Papier zu bringen? An ausufernde, schnulzige Liebesschwüre? Warum aber peinlich? Na wahrscheinlich, weil wir als Erwachsene nie so kitschig schreiben würden. (Das Gute vorweg: Müssen wir ja auch gar nicht.)

Du fragst dich, ob Tagebuchschreiben was für dich ist? Dann solltest du zuerst wissen, was es dir überhaupt bringen kann. Unsere Erfahrung ist: Es macht uns selbstbewusster (wir werden uns unserer selbst bewusster). Und das ist richtig gut! Denn nur wenn wir uns und das Leben, das wir führen, verstehen, können wir auch etwas zum Positiven hin verändern. Klingt erstmal logisch?

Klingt logisch, ja, aber ist das auch belegt? Und ob. Studien haben erwiesen, dass das Tagebuchschreiben positive Auswirkungen auf das eigene Leben haben kann. Ergebnisse der Cambridge University zeigen z.B., dass „ausdrucksvolles Schreiben“ langfristig die Psyche stärkt. Auch Stresssymptome können gemindert werden. Letzteres führt dann auch zu körperlicher Gesundheit. Aber eins nach dem anderen.

Tagebuch schreiben – Warum überhaupt?

Stress! Wer kennt das nicht? … ist fast schon eine rhetorische Frage. Aber wen wunderts? Wir leben in rasanten Zeiten, in ständigem Fortschritt und Wachstum. Wir haben immer mehr Auswahl an allem, was man sich nur irgend vorstellen kann. Wir sind nicht mehr einfach Mensch: Konsument trifft es wohl eher. Und durch die überwältigenden Massen an Möglichkeiten sind wir inzwischen vor allem eins geworden: gezwungenermaßen 24/7-Fulltime-Manager·innen unseres eigenen Lebens. Puh …

… Stopp! Mit einem Tagebuch kannst du die Zeit mal anhalten und dich entschleunigen – wieder Ordnung in den oft chaotischen Alltag bringen. Etwas aufschreiben, heißt nämlich, es festhalten. Tagebuch schreiben bedeutet, für dich wichtige Themen festzusetzen, damit sie greifbar werden. Und dann kannst du sie – im wahrsten Sinne des Wortes! –  anpacken und neuordnen, also verändern.

Etwas poetischer gefällig? Aber gerne: Der Schriftsteller Hanns-Josef Ortheil formuliert es so:

Tagebuchschreiben „bremst den flüchtigen Charakter von Zeit aus, es formt und verlangsamt sie, und es führt zu einer tiefen Verwurzelung in jenen Lebensthemen, die sich mit den Jahrzehnten als beständig und dauerhaft erwiesen haben.“ Tagebucheinträge sind für ihn „produktive Elemente eines Projekts der biografischen Lebenskunst (…).“

Lebenskunst. Was ein Wort! Wir verstehen darunter: Glücklicher werden, indem wir unser Leben ändern. Verändern klingt gut? Klar! Also los. Ähm okay, … aber wie?!

Mit Freundinnen Zeit verbringen

Den ersten Tagebucheintrag schreiben – Wie fängt man an?

Der Anfang ist meist gar nicht das Problem. Aber jeder kennt wohl diese Sache mit dem Durchhaltevermögen. Wir starten voller Euphorie in ein neues Projekt, arbeiten ein paar Tage energiegeladen daran und dann … ja, dann, hm ... Das Projekt landet in der Schublade und versinkt im Staub des Vergessens. Klingt etwas theatralisch, geben wir zu – aber ist doch meistens leider so.

Vielleicht hast du auch schon mal Tagebuch geschrieben. Irgendwann hattest du aber keine Zeit, keine Ideen und deshalb auch keine Lust mehr. Das ist uns auch passiert, und wir haben uns dann gefragt: warum? Wir haben gemerkt, dass Projekte meist an einem fehlenden Plan scheitern. Wir starten im Schnellschuss, ohne vorher zu überlegen, wohin die Reise eigentlich gehen soll. Und dann verlieren wir uns unterwegs.

Wie geht es besser? Stell dir vor, du möchtest nach Rom reisen. Was tust du vorher? Genau: Du planst deine Reise. Je besser du planst, desto wahrscheinlicher wird deine Reise ein Erfolg. Mit dem Projekt Tagebuch ist das nicht anders. Starte also am besten nicht mit einem ersten Tagebucheintrag, sondern mit der Planung.

Die wichtigsten Fragen sind:

  1. WARUM schreibe ich Tagebuch?
  2. WAS schreibe ich rein?
  3. WANN schreibe ich?
  4. WIE schreibe ich Tagebuch?

Dein persönliches WARUM ist deine größte Motivation 

Wir möchten dir gerne zeigen, wie wir das Tagebuchschreiben angegangen sind. Für uns hat das super funktioniert:

Stell dir unbedingt die Frage nach deinem persönlichen WARUM. Das eigene WARUM ist nämlich für jeden Menschen die größte Motivation, ein Projekt zu starten und auch durchzuziehen. Der Motor, der uns antreibt, ist ein Ziel – ein WARUM. Das hat auch der erfolgreiche Unternehmensberater Simon Sinek festgestellt und mit „Start with Why“ sogar ein ganzes Buch über die Kraft des WARUMS geschrieben.

Frage dich also, WARUM du Tagebuch schreiben möchtest. Was möchtest du damit erreichen? Gehe dafür einmal in dich und stell dir Fragen, z.B. was a) stresst, b) enttäuscht, c) nervt dich häufig und würdest du deshalb gerne verändern? Ein paar Beispiele:

  • fehlende Motivation im Job: stresst dich
  • ein unvollendetes Herzensprojekt: enttäuscht dich
  • ein Dauer-Konfliktthema in der Familie: nervt dich

Wenn du Sondermoment kennst, weißt du, dass auch wir uns gerne Fragen stellen. Mit unserem Fragen-Kartenspiel lernst du dich und andere besser kennen, indem ihr euch tiefgründige Fragen stellt. Das kann zu echt spannenden Gesprächen führen! Wenn du Sondermoment noch nicht kennst, schau einfach mal hier. Da sind bestimmt auch Fragen dabei, die dich inspirieren.

Warum aber sollten wir uns Fragen stellen? Um Antworten darauf zu finden, was wir gerne verändern würden. Um Ansätze zu bekommen, wie wir glücklicher werden können. Hinter jedem der genannten Themen stecken nämliche ungute Gefühle. Meist wissen wir aber nicht, was die Ursachen dafür sind. Warum z.B. kannst du dich in deinem Job nicht motivieren?

Dein Tagebuch macht etwas sichtbar

Und jetzt kommt das Tagebuch ins Spiel. Das Aufschreiben macht etwas sichtbar, das dir vorher nicht bewusst war, z.B. Ursachen. Für unsere Beispiele könnten das sein:

  • dein Job füllt dich nicht mit Sinn aus
  • dir fehlt noch Wissen für den nächsten Schritt
  • ein nie aufgearbeitetes Erlebnis

Sind dir die Gründe für Probleme, ungute Gefühle oder unerreichte Ziele erstmal bewusst, kannst du etwas verändern die Ursachen beheben, z.B. indem du …

  • ... dir neue berufliche Ziele setzt
  • ... die nötigen Wissenslücken füllst
  • ... ein klärendes Gespräch mit deiner Familie suchst

Journaling Inspiration

Dass wir Ziele besser erreichen können, wenn wir Tagebuch schreiben, wurde übrigens ebenfalls wissenschaftlich belegt. Ergebnisse der Dominican University haben gezeigt, dass Probanden, die ihre Vorhaben notierten und einzelne Schritte protokollierten, ihre Ziele häufiger erreichten. Studienteilnehmer, die ihren Projektstatus zusätzlich wöchentlich einem Freund schickten, waren sogar noch erfolgreicher.

Das Tagebuchschreiben kennt keine Grenzen

Wir haben hier nur einige Beispiele genannt. Es gibt natürlich noch so viele interessante Fragen, die du dir stellen kannst. Das Schöne ist ja: Es gibt keine Grenzen! Schreibe darüber, was dich bewegt, inspiriert, wofür du dankbar bist ... Das entscheidest allein du. Heißt also auch: Du entscheidest dein WAS. Die Antworten auf dein WARUM zeigen dir deine Herzensthemen.

Auch unser Fragen-Kartenspiel kann dich zu deinen Herzensthemen führen. Es ist zwar eigentlich dazu gedacht, es mit mehreren zu spielen, aber du kannst es auch super für dich nutzen. Es bringt dich mit dir selbst ins Gespräch, indem es dir tiefgründige Fragen stellt, wie „Wozu möchtest du dir selbst in einem Jahr gratulieren können?“ oder „Für welche Dinge hätte ich in der letzten Zeit mehr (oder weniger) Zeit investieren sollen?“. (Weitere Fragen findest auch auf unserem Instagram Kanal.)

Wenn du dann dein WARUM und WAS gefunden hast, fehlen nur noch das WANN und WIE.

Das WANN und WIE geben dir Struktur

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Was für eine Phrase …, aber sie ist wahr! Und wer das beherzt, kann positive Gewohnheiten nutzen. Wie die, ins Tagebuch zu schreiben. Lege also dein WANN fest. Stehst du gerne früh auf? Dann schreib in deiner Morgenroutine. Gehst du lieber abends nochmal in dich, um vor dem Schlafengehen unruhige Gedanken aus deinem Kopf zu verbannen? Dann abends.

Regelmäßigkeit ist wichtig, um in eine Gewohnheit zu kommen.

Tipp: Wenn dir das Schreiben zu Beginn noch etwas schwerfällt, entscheide dich zuerst nur für ein einfaches Thema und sage dir, dass du mindestens zwei Sätze dazu schreibst – mehr nicht. Darauf kannst du dann nach und nach aufbauen. Ganz ohne Druck. Bei uns flossen die Sätze dann irgendwann wie von allein aufs Papier.

Tagebuchschreiben – Was steckt hinter dem WIE?

Zuletzt das WIE. Hä? Fragst du dich vielleicht? Wie soll man schon schreiben? Indem man schreibt, natürlich. Dahinter steckt aber viel mehr. Schreibst du mit der Hand oder am PC? Benutzt du einen Füller oder Kugelschreiber? Schreibst du in einen schlichten Kalender oder in ein buntes Buch, das deine Kreativität anregt?

Schaffe dir mit dem WIE deine optimalen Wohlfühlbedingungen. Das kann ein bestimmter Ort sein, Musik, die du beim Schreiben immer hörst, oder auch der kuschelige Schlafanzug. Je mehr Gewohnheitsmerkmale du hast, desto mehr Richtung und Struktur gibst du deinem Tagebuch-Projekt. Und je mehr Struktur da ist, desto leichter fällt die Umsetzung.

Tagebuch schreiben – Komm in Deinen Flow

Es kann losgehen! Du kannst mit dem Tagebuchschreiben starten. Mit einem guten Plan wird es dir auch leichter fallen, es langfristig durchzuziehen. Mit der Zeit wirst du merken, dass dir das immer einfacher von der Hand geht. Wenn du ein Herzensthema abgearbeitet hast, kannst du dich dem nächsten widmen.

Stück für Stück wirst du achtsamer für dich, deine Bedürfnisse, Wünsche und Ziele. Du lernst, ihnen und somit auch dir gerechter zu werden. Und du hast die Chance, dein Leben neuzugestalten und dadurch, ja … glücklicher zu werden.

Tagebuch schreiben – Was für Dich?

Also, wir feiern das! Es hat uns schon oft geholfen, alte Muster aufzubrechen oder Ziele zu erreichen. Wir nutzen unser Tagebuch auch als Inspirationsquelle: Ideen für unser Fragen-Kartenspiel finden darin Platz. Peinlich ist es uns absolut nicht. Selbst wenn wir schnulzig schreiben würden, liest es ja niemand, wenn wir das nicht wollen. 

Wie ist es mit dir? Könntest du dir vorstellen, Tagebuch zu schreiben? Lass uns doch gerne deine Gedanken dazu in einem Kommentar da. Wir freuen uns drauf!

Alles Liebe für dich,
Susanne & Khanh



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"Echt verrückt was man noch alles über seine Freunde lernen kann und wie kurzweilig so ein Abend wird!"

- Marc B. aus Köln